WANDERER. Der lange Pfad der Entdeckung.
Gehen ist eine praktische Geste, aber auch eine Form des Denkens und die freiesten und tiefgründigsten Gedanken entstehen beim Gehen.

Eile mit Weile. So lautet ein lateinisches Motto, das dem Kaiser Augustus zugeschrieben wir, das im scheinbaren Gegensatz die Effizienz und die Vorsicht beim Handeln zusammenhält. Genau das Gegenteil von dem, was in der heutigen Gesellschaft passiert, die vollkommen auf eine kontinuierliche Beschleunigung abzielt, die so weit geht, dass eine Verlangsamung ein Luxus geworden zu sein scheint. Aber eher als in ihrer Gegensätzlichkeit ist es die Spannung zwischen diesen beiden Haltungen, in der sich unsere Menschheit realisieren kann.

Es ist klar, dass wir nicht vollständig auf die Geschwindigkeit verzichten können, aber wir müssen bremsen und auch anhalten. Die Langsamkeit ist die Bedingung für das Zuhören, für das Zusammentreffen und wenn wir für einen Augenblick aufhören zu laufen und beginnen, zu gehen, bemerken wir, wie stark wir uns selbst verlieren. Im Übrigen ist das Gehen die einfachste Sache, die wir alle schon von Kindesbeinen an beherrschen, aber erst seit Kurzem ist es zumindest für den unruhigsten und vom technologischen Fortschritt am meisten betroffenen Teil der Weltbevölkerung zu einem unerwartet attraktiven, unkonventionellen und alternativen Akt geworden.
Viele Studien haben inzwischen bewiesen, dass wir, wenn wir gehen, eine starke Dosis an Stoffen wie Serotonin und Endorfin produzieren, die für Wohlbefinden sorgen. Aber das Gehen erlaubt uns auch, den Kopf frei zu bekommen und in Einklang mit der durchquerten Umwelt zu gelangen und sie zu einem einzigen Ganzen mit uns werden zu lassen. Das Gehen in der Natur, aber auch durch Stadtlandschaften, erlaubt es uns, bei jedem Schritt Fenster nach außen zu öffnen. Aber auch die Sinne werden angeregt: Gerüche, Farben, Geräusche, Geschmäcker, Hitze, Kälte. Und dann wären da die haptischen Eindrücke: die Füße auf dem Boden, der Wind der Haut, Regen oder Schnee im Gesicht. Beim Gehen gelangen wir in Kontakt mit unserem Körper und atmen den Ort, in den wir eingetaucht sind und der uns jedes Mal neu erscheint, auch wenn wir ihn schon gesehen haben, weil die Empfindungen, die wir haben, anders sind.
Das Gehen erlaubt es uns, den Landstrich und seine Bewohner genau kennenzulernen und wir können Details erfassen, die uns sonst entgehen. Aber um etwas zu sehen, muss man den richtigen Rhythmus haben, anderenfalls bewegen wir uns nur von einem Punkt zu anderen und verlieren mehr Dinge als wir erobern. Der richtige Rhythmus ist nicht unbedingt das langsame Gehen, viel mehr ist er ein bewußtes Gehen, das es erlaubt, sich selbst stärker im Verhältnis zur Natur und zur Kultur der Orte auszudrücken. Wandern, Trekking, Bergsteigen und auch ein langsames Laufen sind Formen des Gehens, die mit einem bewußten Schritt angegangen werden können, ohne von der Geschwindigkeit überrollt zu werden, wobei wir anhalten können, wann wir wollen, wenn ein Zusammentreffen unsere Aufmerksamkeit fordert, und uns von der Zufälligkeit der Zusammentreffen leiten lassen können.

Maria Schneider ist die Vizepräsidentin der Vereinigung Percorsi Occitani, eine Gruppe von Kleinunternehmern, die seit fast zwanzig Jahren das meistbesuchte Wandergebiet des Valle Maira leitet. Mit ihrem Mann Andrea Schneider, gehörte sie Anfang der 80er Jahre zu den Pionieren der Wiedergeburt des Tals. „ Wir sind Ende der 70er Jahre durch Zufall hierher gekommen, weil wir uns auf dem Weg in die Provence, die damals unser Ferienziel war, verfahren haben”, erzählt Maria Schneider. „Dieses Tal hat uns beeindruckt und wir haben uns entschlossen, hier zu bleiben. Unsere erste Tätigkeit ist eine Schule für die italienische Sprache für Ausländer in Prazzo gewesen. Die Kurse wurden von italienischen Lehrern gehalten und in der Freizeit begleiteten mein Mann und ich sie in die Berge.” 1990 sind die Eheleute Schneider in die Gemeinde Stroppo umgezogen und haben das Centro Culturale Borgata San Martino gegründet, das zu einem wichtigen Ort für kulturelle und gastronomische Veranstaltungen sowie für Wanderungen werden sollte. In der Zwischenzeit nahm das Projekt, die alten Pfade, die die kleinen Orte des Tals miteinander verbinden, wieder instand zu setzen und zu einem großen Rundwanderweg zu verbinden, Form an. „ Die Percorsi Occitani haben viele Mütter und Väter. Das Modell ist ohne Zweifel die Große Alpenüberquerung gewesen”, fährt Frau Schneider fort. „Sie gefallen, weil sich um sie herum eine ganz besondere Art der Gastlichkeit entwickelt hat: Man kann einen ganzen Tag wandern, ohne eine Menschenseele zu treffen, am Ende des Weges findet man aber sicher eine Etappenstation mit leckeren typischen Gerichten.” Der Wanderer der Percorsi Occitani bleibt zwischen 7 und 10 Tage im Tal, wechselt jeden Tag Etappenposten und spricht zu 95% Deutsch (Deutsche, Österreicher und Schweizer). Mit 4000 geschätzten Gästen pro Jahr bieten sie ca. 50 Personen eine Saisonarbeit. Der Wandertourismus hat dem gesamten Tal beachtliche wirtschaftliche Vorteile gebracht und hat die Entvölkerung gebremst, wie Maria Schneider erzählt: „ Mit den Percorsi Occitani sind neue Beherbergungsstrukturen entstanden, viele Häuser wurden renoviert, das Wanderwegnetz ist ausgeschildert und auch die Winterwanderungen (alpiner Ski und Schneeschuhe, AdR) wächst von Jahr zu Jahr.”. Und für die Zukunft hat Frau Schneider klare Vorstellungen: „ Das Valle Maira bleibt eine Nische für besondere Personen. Es kann nicht nur mit dem Tourismus überleben. Wenn es eine Zukunft haben will, müssten weitere Aktivitäten um den landwirtschaftlichen Bereich und auch im Handwerk entwickelt werden. Ferner könnten mit den Kommunikationsinstrumenten der heutigen Zeit viele Freiberufler (Übersetzer, Architekten, Ingenieure usw.) hier arbeiten. Das ist jedoch eine Lebensentscheidung und es gibt noch zu wenige Menschen, die sich entschließen, hier zu leben.”

Die vorliegenden Daten zeigen uns, dass sich das Gehen von einer sportlichen Aktivität im Freien in einen Lebensstil verwandelt. Alberto Conte beschäftigt sich seit mehr als dreizehn Jahren mit der Verbreitung des langsamen Reisens. Er gehört zu den Schöpfern des Festival della Viandanza (Festival der Wanderung) und hat den Vorsitz des Vereins Il Movimento Lento. Wer kann uns besser als er sagen, wie groß die Lust am Gehen ist? „ Wie Rebecca Solnit in der Geschichte des Gehens sagt, „ funktioniert der menschliche Geist auf drei Meilen pro Stunde”, sagt Alberto Conte. „Immer öfter fängt man an zu gehen, um wichtige Entscheidungen zu treffen oder um sich selbst in einem schwierigen Moment wiederzufinden oder weil man von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit dasteht und auf lange Sicht in einer Reise zu Fuß die Erfüllung eines Traums sieht, der vorher nicht verwirklicht werden konnte.” Ein Traum, aber nicht für alle, denn es gibt auch diejenigen, die zum Gehen gezwungen sind, um zur Schule zu kommen, einen Brunnen zu erreichen oder vor einem Krieg zu flüchten. „Ich habe oft Menschen gesehen, die unter Armutsbedingungen oder in schwierigen Situationen lebten, die sehr viel fröhlicher als viele von uns schienen, die von den Bequemlichkeiten der „ Zivilisation” profitieren. Ich möchte glauben, dass das Gehen in einer bestimmten Weise zur Ruhe beiträgt, die ich in ihren Augen gesehen habe”, ist der Gedanke von Alberto Conte und dann fügt er hinzu: „ Ich habe keine Zweifel: Es ist hundert Mal besser, zu Fuß zur Schule zu gehen und vielleicht jeden Tag viele Kilometer hinter sich zu bringen, als von einem reichen, aber verärgerten Vater in einem großen SUV gebracht zu werden.” Das starke Wachstum des Tourismus verbunden mit der Erfahrung der „ Andachtswege” und das Entstehen von Veranstaltungen, die dem langsamen Gehen gewidmet sind, wie das Festival della Viandanza, sind ein Indikator für eine laufende soziale Veränderung. „Die Krise hat uns die Grenzen des materialistischen Ansatzes aufgezeigt, in dem viele aufgewachsen sind, und die Andachtswege bedienen einen wachsenden Bedarf an Spiritualität ”, erzählt Alberto Conte. „ Der Erfolg des Jakobswegs ist vor allen ein soziales Phänomen, ein kollektiver Ritus, und sicherlich ist er Mode geworden. Aber trotz dessen, dass ich nicht viel für Moden übrig habe, gefällt mir diese besonders gut, denn sie nähert viele Menschen einer Praxis an, die ihnen und der gesamten Gesellschaft guttut.”

Zu den ersten Verbänden in Italien, die die klassischen alpinen Wanderwege verlassen haben, zählt Trekking Italia. Seit 1985 gibt es ihre Angebote für ein bewußtes Gehen überall: Küstenstreifen, Hügel, Flüsse, Ebenen, Seen, natürlich in den Bergen und seit Kurzem auch in der Stadt. „ Ich denke, dass Trekking Italia zu einer entschiedenen Kursveränderung unter den Bergfans beigetragen hat”, erzählt Roberto D’Agostino, der seit kurzer Zeit seinen Verband leitet, der jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen zum Wandern bringt, und er fährt fort: „ Nicht nur, weil eine Reihe von Orten aufgezeigt wurde, die normalerweise vom Tourengehen ausgeschlossen sind, sondern auch, weil in Mißbrauchssituationen ziviler Einsatz gezeigt und die Erfahrungen von tausenden Mitgliedern gesammelt und beherzigt wurden. All unsere Mitglieder sind eingeladen, das Wegenetz und die Beziehungen auszubauen, die das echte Herz des Verbands sind. Netze und Routen verflechten sich auch in den Social Networks und ein neues Phänomen bildet sich heraus: das „Social Trekking”. „ Es handelt sich um die Weiterführung der Förderung des Gemeinwesens, des Kennenlernens des anderen. Der Punkt, der uns am meisten interessiert”, fährt der Präsident D’Agostino fort, „ist die an vernachlässigten Gebieten orientierte Forschung. Der Frankenweg ist die Hochgeschwindigkeit der Wanderwege, aber wie viele andere Wege zweigen sich ab, wie viele kleine und neue Wirtschaftsbetriebe finden wir? Diese Suche ist die politische Voraussetzung für die Ausweitung des Wissens und die Pflege des Landstrichs.” Unter den Mitarbeitern des Präsidenten D’Agostino ist Gianluca Migliavacca, historisches Mitglied des Verbands, in dem er auch Präsident gewesen ist, der die Mailänder Filiale koordiniert und der Schöpfer der „Sentieri Metropolitani” (Großstadtpfade) ist. Versuchen wir, zu verstehen, um was es sich bei diesem neuen Angebot handelt. „Es beinhaltet viele Dinge und auch eine Provokation”, erzählt Migliavacca. „ Die Langsamkeit ist noch provozierender, wenn sie im Herzen unser Städte zur Anwendung kommt. Ich würde sogar sagen, dass dieselbe Stadt, wenn sie gehend entdeckt wird, noch mehr Überraschungen für uns bereithält als eine Wüste oder ein Gletscher. Die „grünen Straßen” für den Zugang in die und die Fluch aus der Stadt als “Hochlangsamkeitsstraßen” (wobei „hoch” auch ein Maß für den Wert ist) zu entdecken, ist eine schöne Herausforderung für die Geschwindigkeit.”

- Centro Culturale Borgata, www.borgata-sanmartino.comwww.percorsioccitani.com
- Festival della Viandanza, www.itineraria.euwww.viandanzafestival.it
- Trekking Italia, www.trekkingitalia.org

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