Selvaggio Blu │ foto ©Paola Finali www.paolafinali.com

Ingo Irsara

Bergfüher und Wanderer

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SELVAGGIO BLU. ITALIENS HÄRTESTE UND SCHÖNSTE WANDERUNG

 text AKU Team / photo Paola Finali / mai 2015

Von Val Badia nach Pedra Longa

Ich bin in Val Badia geboren und aufgewachsen. Seit meiner frühesten Kindheit bin ich in den Bergen unterwegs. Eines Sonntags, als ich mit meinem Vater die Civetta über den Klettersteig (einer Route mit Drahtseilversicherung, Leitern und Sprossen in der Wand) bestieg, beobachtete ich zwei Free Climber. Ich war sprachlos – das musste ich auch ausprobieren. Gesagt getan. Sommer wie Winter. Ich verbrachte mehr und mehr Zeit in den Bergen. Eines Tages wurde es zu meinem Beruf.

Letzten Sommer habe ich eine Gruppe Jungs auf einer Wanderung im Naturpark Puez-Geisler begleitet. Sie erzählten mir, dass sie als nächstes nach Sardinien wollten, zu einer Wanderung im Selvaggio Blu (Wilder Blauer): „Es ist die Schwierigste Wanderung Italiens, mit Passagen, die Kletterfähigkeiten verlangen und wo das Finden einer Route nicht einfach ist. Wir würden es gerne zusammen mit einem ausgebildeten Bergführer in Angriff nehmen.“ Ich war sofort interessiert, das Angebot traf mich aber recht unvorbereitet. Ich bin noch nie selbst im Selvaggio Blu gewesen und mein Wissen darüber beschränkte sich auf ein paar alte Artikel, die ich vor langer Zeit mal durchgeblättert habe.

Ich beschloss, mir den Selvaggio Blu anzuschauen, sobald die Sommersaison in den Dolomiten war.  Ich habe Reiseführer und eine Karte gekauft und zusätzliche Informationen im Internet recherchiert. Dann ging es los.

Die Zeit auf der Fähre nach Olbia habe ich mit Lesen verbracht. Meine Bücher erzählten mir, dass die Strecke des Selvaggio Blu 1987 von Peppino Cicalò (Präsident des Cai Sardegna – Italienischer Alpenverein Sardinien) und von Mario Verin (Bergsteiger und Fotograf) zum ersten Mal begangen wurde und Jahr für Jahr mehr Leute angezogen hat. Das ursprüngliche Ziel war es, eine Route zu finden, die bei der Pedra Longa Felsnadel beginnt und den Spuren der Köhler folgt, die bis in die 60er Jahre hier zwischen den Felsen und Schluchten gelebt und gearbeitet haben. Dabei sollten so viele Felskuppen wie möglich bestiegen werden. Endpunkt der Route war der Strand von Cala Sisine. Cicalò und Verin entwickelten schließlich eine begehbare Strecke, brauchten allerdings mehrere Monate dafür. Für die komplette Route braucht man zwischen fünf und sieben Tagen. Die Wanderer müssen fit sein, einen guten Orientierungssinn haben und versiert im Pfadfinden sein. Sie müssen flexibel sein und dazu bereit, die komplette Strecke im Freien zu übernachten. Erfahrung im Felsklettern ist außerdem von Nöten.

Die einzige Gemeinsamkeit der gesamten Insel ist ihre Vielfalt

Was ich auf der Rückseite eines der Bücher gelesen hatte, steigerte meine Vorfreude auf den Trek ungemein: „Von dem Moment, an dem Sie Pedra Longa verlassen, nach nur ein paar Metern abseits der asphaltierten Straße, befinden Sie sich inmitten der unberührten Natur. Nun dient nur noch das blau glitzernde Mittelmeer zur Ihrer Rechten als Orientierungshilfe.“

Ich hatte keine genaue Vorstellung, was es bedeutet, die Wildnis in diesem Teil von Sardinien zu betreten. Ich erinnerte mich an die wildesten Orte, durch die ich während meiner Reisen gekommen war und malte mir etwas Ähnliches aus. Es dauerte nicht lange und mir wurde klar, dass solche Vergleiche unmöglich waren. Im Selvaggio Blu ist alles anders und man muss sich einer anderen Denkweise bedienen, um hier voran zu kommen.

Im Hinblick auf die Vielfalt habe ich gelesen, dass das Einzige was der gesamten Insel gemein ist, aus ökologischer Perspektive, eben jene Vielfalt ist. Für diese Artenvielfalt Sardiniens sind drei charakteristische Eigenschaften wesentlich verantwortlich. Erstens liegt Sardinien im Mittelmeerraum, einem der Artenvielfalt-Hotspots des Planeten mit unzähligen unterschiedlichen Felsformationen und geologischen Strukturen. Zweitens wird diese geomorphologische Vielfalt begleitet von einer ökologischen Vielfalt voller unterschiedlicher Lebensräume mit unterschiedlicher Flora und Fauna. Der dritte und offensichtlichste Faktor ist die Abgeschlossenheit des Inselcharakters. Eine genetische Vermischung von sardischen Pflanzen- und Tierpopulationen mit denen anderer Regionen ist nahezu unmöglich.

Von Santa Maria Navarrese nach Cala Sisine

Meine Wanderung begann in Santa Maria Navarrese, dem Küstenstreifen der Gemeinde Baunei im südlichen Teil des Golfs von Orosei, einer etwa vierzig Kilometer langen Bucht mit felsigen Klippen aus feinstem Kalkstein. Die Bücher beschreiben den Golf von Orosei als großartiges Naturgebiet, in dem viele einheimische Pflanzen- und Tierarten zu finden sind, sowohl entlang der Küste, als auch hoch oben in den Klippen. Zum Beispiel war die Küste zwischen Cala Luna und Cala Sisine bis in die 70er Jahre einer der letzten italienischen Brutplätze der Mittelmeer-Mönchsrobbe. Die Sichtung von Walen in den Gewässern des Golfs in den letzten Jahren unterstreicht die vorhandene Artenvielfalt.

Ein leichter Pfad brachte mich zur Felsnadel von Pedra Longa, ich kletterte hinauf in Richtung der S’erriu Mortu Höhle und ging von dort aus weiter über die wunderschöne Cengia Giradili. Diesem felsigen Weg mit Panoramablick folgte ich bis zur Schäferhütte Duspiggius (+760 m Klettern, 8 km).

Vom Monte Ginnircu zum Bacu Tenadili (Bacu bedeutet Tal) setzte ich meinen Weg zwischen Schäferhütten und iscal’e e fustes, von den Schäfern gefertigte Wachholderleitern, bis zum atemberaubenden Meeresarm von Portu Pedrosu fort. Von dort aus führte mich ein einfacher Weg zum Tagesziel nach Porto Cuau (+210 m Höhenunterschied, 7 km).

Am zweiten Tag sah ich tiefzerklüftete Schluchten und genoss die unglaublichen Ausblicke in der Serra D’arguis und von Punta Salinas. Ich folgte der Schotterpiste zum weißen Kiesstrand von Cala Golortizè (+570 m Höhenunterschied, 7 km). Die tiefen Furchen, die ich überquerte, wurden von Flüssen in den Stein gewaschen, die mittlerweile längst verschwunden sind oder vom darüber liegenden Karstplateau geschluckt wurden. Die Folge von Felsbastionen, die sich hoch über dem Meer auftürmen, wird immer wieder von Buchten mit smaragdgrünem Wasser durchbrochen. Viele Bereiche der Küstenlinie sind unzugänglich, besonders dank eines bestimmten Merkmals: der Codule, das sind Ströme, die tiefe Schluchten in den Stein geschnitten haben.

Im dritten Abschnitt wurde die Strecke anspruchsvoller. Ich kletterte das felsige und steile Tal von Boladina hinauf zur Serra Lattone, von wo aus ich die komplette Strecke nach Norden überblicken konnte. Ich stieg wieder hinab nach Bacu Mudaloru und hatte zum ersten Mal das Vergnügen mich abzuseilen. Die Vegetation hier ist eine Abfolge von immergrünem Unterholz und Waldland, das in erster Linie aus Wachholder, Steineichen und Oleandern besteht (+600 m Höhenunterschied, 5 km).

Von Bruncu Urele nach Bacu Su Feilau und über die Treppe von Oggiastru ging es weiter zur Schäferhütte von Mancosu. Von hier aus konnte ich bereits mein Etappenziel sehen und bewundern: Cala Biriola (+400 m Höhenunterschied, ca. 3 km, mit zweimal Abseilen und diversen Stellen der Schwierigkeiten III und IV).

Durch eine interessante Felsspalte, genannt Sa Nurca, hindurch und zwei weitere Male Abseilen später kam ich im Wald von Biriola an, gefolgt vom Wald von Orrònnoro. Nach dem anschließenden Panoramaweg von Su strumpu musste ich wieder klettern und mich viermal abseilen, bevor ich den verzaubernden weißen Strand von Cala Sisine erreichte, dem Schlusspunkt meiner fünften Etappe (+100 m, Höhenunterschied, 4 km).

In einem weiteren Tag hätte ich das Dorf Cala Gonone erreichen können, via Cala Luna und Cala Fuili. Aber dieses Jahr endete der Selvaggio Blu für mich hier.

Ich habe es geschafft. Der schwierigste Wanderweg Italiens liegt hinter mir. Ich hoffe, dass die Schönheit dieser versteckten und schwer zugänglichen Route erhalten bleibt, mit ihren unklaren Pfaden, technischen Schwierigkeiten, den Nächten in Höhlen und am Lagerfeuer, und besonders der einzigartigen und wilden Natur. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.

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Ingo Irsara, ist ausgebildeter Bergfüher und Skilehrer. Seit 2009 bildet er Bergführerausbilder aus. Er lebt in Badia in Val Badia, im Herzen der Dolomiten.
www.ingoirsara.com

Paola Finali, "Photography has always been my passion and instinct from an early age and by the time the dream of turning a passion into a profession is realized".
www.paolafinali.com

 

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